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#Starke Kopfschmerzen #Vorbeugung

Cluster-Kopfschmerzen

Die Schmerzen sind selten, aber fast unerträglich: Cluster-Kopfschmerzen können einem die Tränen in die Augen treiben. Die Diagnosestellung ist nicht einfach und die Ursachen der Beschwerden noch unbekannt.

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Was sind Cluster-Kopfschmerzen?

Cluster-Kopfschmerzen sind eine der schwersten Schmerzerkrankungen überhaupt. Sie befallen Männer häufiger als Frauen – auch wenn nur etwa einer von 1.000 Menschen unter den auch als Bing-Horton-Syndrom bekannten Kopfschmerzen leidet.

Typisch für die Krankheit ist, dass die Anfälle periodisch gehäuft auftreten, daher der Name (englisch cluster: Häufung). Meist dauert die Periode, in der Patienten bis zu acht Attacken pro Tag erleiden, einige Wochen bis mehrere Monate. Die Beschwerden treten vor allem im Frühjahr und Herbst auf.

Wie erkenne ich Cluster-Kopfschmerzen?

Die Beschwerden beginnen plötzlich, oftmals einige Stunden nach dem Schlafengehen und dauern in der Regel zwischen 15 Minuten und drei Stunden. Der intensive, brennende oder stechende Hauptschmerz liegt auf einer Seite Ihres Kopfes, meistens hinter dem Auge oder darum herum. Aber auch Schläfe, Nacken oder Kiefer können betroffen sein. Dazu leiden Sie unter Lichtempfindlichkeit, Augenrötung, laufender Nase, Gesichtsschweiß und Übelkeit. Weitere Symptome sind ein Hängen des Augenlids auf der betroffenen Seite, Pupillenverengung oder „Einsinken“ des Auges (bei 70 % der Patienten). Im Gegensatz zu Migräne empfinden Sie bei Cluster-Kopfschmerzen auch körperliche Unruhe und haben typischerweise einen gesteigerten Bewegungsdrang.

Man unterscheidet zwei Arten des Bing-Horton-Syndroms: 

Episodische Cluster-Kopfschmerzen:

  • Ruhepausen von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren

Chronische Cluster-Kopfschmerzen:

  • Ruhephasen dauern weniger als vier Wochen
  • Zustand hält länger als ein Jahr an

Es kann passieren, dass die Art der Cluster-Kopfschmerzen bei Ihnen wechselt.

Welche Ursachen und Trigger haben Cluster-Kopfschmerzen?

Bisher ist nicht genau bekannt, was die Ursachen von Cluster-Kopfschmerzen sind. Wissenschaftler*innen haben festgestellt, dass bei Cluster-Kopfschmerzen offenbar ein bestimmtes Areal im zentralen Nervensystem, der Hypothalamus, eine Rolle spielt. Dieser Bereich ist bei den Betroffenen stärker aktiviert als bei Gesunden. Eine weitere Ursache kann eine Erweiterung der Blutgefäße sein, die Gehirn und Gesicht versorgen. Das übt Druck auf Ihren Trigeminusnerv aus, der Empfindungen vom Gesicht auf das Gehirn überträgt. Außerdem scheint sicher, dass die Attacken mit einer plötzlichen Freisetzung von Histamin oder Serotonin im Körper in Verbindung stehen.

Die wichtigsten Auslöser und Trigger von Cluster-Kopfschmerzen

    Der wichtigste Auslöser für die Krankheit ist die Jahreszeit – die meisten Patienten erleben im Frühjahr und Herbst einen Anstieg an Attacken. Erstaunlicherweise scheint es Trigger zu geben, die nur in der Beschwerde-Phase Anfälle auslösen. Das gilt zum Beispiel für Nitroglyzerin (ein Arzneistoff, der die Gefäße erweitert), Alkohol und Nikotin. Auf sie reagiert Ihr Körper während der Clusterperiode empfindlicher. Versuchen Sie, diese Stoffe zu meiden. Außerdem können flackerndes oder grelles Licht, große Höhen, anstrengende Aktivitäten, heißes Wetter, heiße Bäder und die Änderung der Schlafgewohnheiten zur Entstehung der Anfälle beitragen.

    Bestimmte Lebensmittel oder Zusätze können eine Rolle bei der Entstehung der Cluster-Kopfschmerzen spielen. Dazu gehören Nüsse, Kaffee, eingelegte bzw. marinierte Lebensmittel, Meeresfrüchte und Glutamat. Letzteres ist sehr weit verbreitet (es steckt zum Beispiel in Käse, Soja-Soße, Hefe-Extrakt und Tomatenmark, aber auch in vielen Fertigprodukten). Produkte mit Tyramin, Nitraten und Histamin können Ihre Attacken ebenfalls begünstigen. Die Aminosäure Tyramin steckt unter anderem in Hering, Rinderleber, Champignons, gealtertem Käse und Sauerkraut. Nitrate finden sich z.B. in Blattgemüse wie Mangold und Kopfsalat, roter Bete, gepökelten Fleischwaren und Schnittkäse. Zu den Lebensmitteln mit hohem Histamingehalt gehören Makrele, Gouda, geräucherter Schinken, Rotwein und Bier.

    Wissenschaftler vermuten, dass Stress eine Rolle spielt, auch wenn es keine Studien gibt, die dies belegen. Was die Krankheit noch belastender macht: Es dauert oft lange, bis die Ärzte sie diagnostizieren. Für viele Patienten bedeutet das eine lange Schmerzodyssee, bis sie wissen, was ihre schweren Kopfschmerzen verursacht und wie sie sie behandeln können. Das Bing-Horton-Syndrom wirkt sich auf das gesamte Leben der Patienten aus. Die traurige Folge: Viele Betroffene leiden auch unter Angststörungen und Depressionen, sie sind mutlos, verzweifelt und ziehen sich immer mehr zurück.

Wann sollte ich bei Cluster-Kopfschmerzen zum Facharzt?

Zu späte Diagnosen und unwirksame Behandlungen können Ihre Qualen verlängern, deshalb ist es wichtig, den richtigen Arzt zu finden. Wenn Sie vermuten, dass Sie unter dem Bing-Horton-Syndrom leiden, vereinbaren Sie am besten einen Termin in einem Kopfschmerzzentrum oder bei einem Neurologen mit Spezialisierung auf Kopfschmerzen.

Wie kann eine medikamentöse Behandlung aussehen?

Die gute Nachricht ist: Man kann Cluster-Kopfschmerzen gut behandeln. Sehr wirkungsvoll ist das Inhalieren von 100 % reinem Sauerstoff gleich zu Beginn der Schmerzen. Das geschieht mit Hilfe einer sogenannten Sauerstoff-Hochkonzentrationsmaske. Eine Behandlung dauert 15 bis 20 Minuten und wirkt bei etwa 78 % der Patienten. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten. Der Arzt kann Ihnen auch ein Nasenspray mit den Arzneistoffen Sumatriptan bzw. Zolmitriptan verschreiben. Diese Mittel verengen die Blutgefäße, was Ihre Schmerzen lindern kann. Zudem kann man Ihnen einen Injektions-Pen verordnen. Damit lassen sich die Stoffe injizieren, sobald die Schmerzen einsetzen. Gute Erfahrungen haben Mediziner zudem mit Kortikoiden (Nebennierenhormone) gemacht. Diese Mittel dürfen allerdings nur für eine kurze Zeit eingenommen werden. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, welches die am besten geeigneten Mittel für Sie sind. Rezeptfreie Schmerzmittel haben bei Cluster-Kopfschmerzen meist nur wenig bis keine Wirkung.

Wie kann ich Cluster-Kopfschmerzen vorbeugen?

Tatsächlich sehen Mediziner in der Prophylaxe die größeren Chancen als in der Behandlung selbst. Ziel ist, die Attacken zu verhindern. Zum Vorbeugen können Ihnen unterschiedliche Arten an Medikamenten verschrieben werden. Allerdings hilft nicht jedes Mittel allen Patienten zu 100 %. Die meisten verringern aber zumindest die Häufigkeit Ihrer Anfälle. Dazu gehören:

  • Blutdruckmittel, die Ihre Blutgefäße entspannen
  • Steroidmedikamente, die Entzündungen der Nerven verringern
  • Arzneistoffe, die verhindern, dass sich die Blutgefäße erweitern
  • Antidepressiva
  • Medikamente gegen Krampfanfälle
  • Muskelrelaxantien

Ihr Neurologe wählt für Sie die Substanz, die für Ihren persönlichen Verlauf passend ist. Zum Beispiel werden bei episodischen Cluster-Kopfschmerzen andere Mittel verwendet (sogenannte Kalziumantagonisten) als bei chronischem Verlauf. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Zwei Drittel der Patienten erklären, dass ihr Clusterschmerz nach der Behandlung um 75 % besser geworden ist. Wenn Sie Lithium bekommen, achten Sie darauf, Ihren Blutserumspiegel regelmäßig überprüfen zu lassen.

Eine sehr schnelle Wirkung können Sie bei der Behandlung nicht erwarten. Meistens dauert es etwa ein bis zwei Wochen, bis die Medikamente zu wirken beginnen.

Versuchen Sie grundsätzlich, Trigger und Auslöser für Cluster-Kopfschmerzen zu meiden. Außerhalb einer akuten Schmerzphase können Ihnen Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder Meditation, aber auch moderater Sport helfen, zur Ruhe zu kommen. Probieren Sie einfach mal aus, was Ihnen guttut.